Wandern gegen Widrigkeiten


Ray und Moth, Besitzer einer Farm in Wales, haben durch eine Fehlinvestition und den Vertrauensmissbrauch eines Freundes extreme Schulden. Der finale Gerichtsprozess wird zu ihren Ungunsten entschieden, und sie verlieren ihre Farm sowie alles Ersparte. Obdach- und mittellos beschließen sie, sich keine Sozialwohnung zu mieten, sondern stattdessen den Küstenpfad zu wandern und wild zu campen. Erschwerend hinzu kommt, dass Moth eine schmerzhafte und potentiell tödliche Erkrankung hat, die ausgerechnet im Zeitraum des Verlustes der Farm diagnostiziert wurde. Die Autorin ist eine talentierte Schreiberin. Die Wanderung, Gefühle und auch Überlegungen zum sozialen Status obdachloser Personen werden eingänglich vermittelt. 

Mir wurde das Buch von einer Freundin empfohlen und zugeschickt, die davon total begeistert ist. Tatsächlich ist es ein sehr gut geschriebenes Buch, das sowohl tolle Spannungsbögen vorweist, als auch mit seiner bildhaften, ausdrucksstarken Sprache beeindruckt. Die Autorin packt schmerzhafte Gefühle beim Schopf, streut aber auch immer wieder eine Prise Humor ein. Insgesamt habe ich die (wahre!) Geschichte als rau und doch auf eine gewisse Art schön empfunden. Die wilde Schönheit der Natur, die den Wandernden alles abverlangt, kommt direkt beim Lesenden an. Auch die Persönlichkeiten der beiden  (Wahl-?) Obdachlosen kommen gut zur Geltung. Sie wirken kämpferisch (Ray) und beinahe gelassen-schicksalergeben (Moth). Das Buch ist innerhalb kürzester Zeit ein Bestseller geworden - vielleicht, weil es eine grundsätzliche Angst aufgreift (alles Materielle unerwartet verlieren zu können) und einen trotzigen Ausweg dazu bietet (einfach Wandern und etwas Extremes schaffen). 


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